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Integrationsbegleiter-Ausbildung: Tagesseminare bis Mitte 2020
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News

Integrationsbegleiter-Ausbildung: Tagesseminare bis Mitte 2020

Juni 27, 2019 by

Die bewährte Ausbildung zum Integrationsbegleiter bietet bis Mitte 2020 Tagesseminare an, in denen Sie ihre interkulturellen Kompetenzen entwickeln können.

Ab September 2020 werden diese Tagesseminare durch die «interkulturelle Weiterbildung» abgelöst. Auf der Webseite www.interculturel.info/weiterbildung sind alle Informationen über das neue erweiterete Angebot zusammengefasst.


Tagesseminare bis Juni 2020

Mi 11.09.19: Grundmuster der Migration gestern und heute (Johannes Müller)

Sa 26.10.19: Herausforderung Migration – Was sagt die Bibel dazu? (Maïté Haller)

Mi 13.11.19: Situation der Migranten heute (Matthias Ettlin)

Sa 18.01.20: Migration und Integration: Auswirkung auf die Gesellschaft (Olivier Tezgören)

Mi 12.02.20: Migration und Integration – Grundlagen des Asylverfahrens (Niklaus Meier & Team)

Mi 25.03.20: Trauma – erkennen, beraten, begleiten (Christian Quartier & Andrea Erb)

Sa 18.04.20: Aufbau von Migrantenarbeit und Projekten (Niklaus Meier & Team)

Mi 06.05.20: Einheit in Vielfalt – Grundlagen für das Zusammenleben in der Gemeinde (Johannes Müller)

Mi 10.06.20: Chancen und Herausforderungen der zweiten Generation (Johannes & Barbara Müller)

Die Tagesseminare kann man direkt auf der Kursliste buchen.

 

Siehe auch die Webseite www.interculturel.info/projekt/integrationsbegleiter-ausbildung und den Flyer 2019-20.


Autor: Johannes Müller

Foto: AWM
21.6.19

Überall und nirgendwo zuhause

Juni 25, 2019 by

Im Juni 2019 behandelte das monatliche Tagesseminar der Integrationsbegleiter-Ausbildung in Aarau das Thema «Secondos» und wurde von Barbara und Johannes Müller (African Link / MEOS interkulturelle Dienste) gestaltet. Diese Ausbildung hilft Menschen, die Kontakte zu Migranten pflegen oder aufbauen möchten, Sensibilität für andere Kulturen zu entwickeln. Susanna Pope, die selbst in drei Ländern aufgewachsen ist, schildert ihre Eindrücke vom Thema des Tagesseminars.

Gerade bei Migrantenkindern ist Sensibilität sehr wichtig, denn sie bekommen von überall her das Gefühl, nicht dazuzugehören. Eine junge Frau mit tamilischen Wurzeln, die in der Schweiz aufgewachsen ist, wird auf der Strasse auf Hochdeutsch angesprochen. Einem Teenager mit kroatischer Herkunft wird der Zugang zu Diskotheken verwehrt – nur aufgrund seines ausländisch klingenden Namens.

Aber auch in der Kultur ihrer Eltern sind viele Migrantenkinder nicht zuhause. Sie denken und handeln anders, denn sie sind geprägt von der Schweiz. Ein tamilischer Vater drückte es so aus: „Unsere Kinder sind Kokosnusskinder – aussen braun, innen weiss.“

Zwischen zwei Welten

So fühlt sich auch ein Jugendlicher mit afrikanischen Wurzeln: „In der Schweiz bin ich der Afrikaner. Aber in Afrika bin ich der Schweizer. Egal, wo ich hingehe, ich gehöre nie ganz dazu.“ Im Elternhaus spricht er Lingala und kann sehr geschickt mit der Hand essen. Auf den Strassen spricht er perfektes Schweizerdeutsch und schämt sich, wenn seine Mutter ihren Einkauf auf dem Kopf nach Hause trägt. Er ist in beiden Welten zuhause, fühlt sich aber auch in beiden fremd.

 

Zuhause in Gott

Wo ist also Zuhause? Auch Jesus kämpfte mit dieser Frage. Er behauptete selber, er sei heimatlos: „Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihre Nester; aber der Menschensohn hat keinen Platz, an dem er sich ausruhen kann“ (Matthäus 8,20, HFA). Doch wenige Verse nach dieser Aussage finden wir Jesus mitten auf dem See: „Plötzlich brach ein gewaltiger Sturm los, so dass die Wellen über dem Boot zusammenschlugen.“ (Vers 24) Und was machte Jesus? Er schlief. Jesus hatte keinen Ort, um sich auszuruhen. Und doch kam er überall zur Ruhe. Sein Geheimnis? Er hatte sein Zuhause in Gott.

 

Nächste Tagesseminare

Möchten Sie den Heimatlosen helfen, eine Heimat zu finden? Die Integrationsbegleiter-Ausbildung rüstet Sie dazu aus. Sie startet nach der Sommerpause am 11. September 2019 wieder mit monatlichen Tagesseminaren. Mehr Infos dazu: www.interculturel.info/ib

 

Autor: Susanna Pope
(zuerst publiziert bei Livenet)
Foto: Interview mit einem jungen Eritreer (African Link)
25.6.2019

„In Stillsein und Vertrauen ist eure Stärke“

Juni 22, 2019 by

Am 14. und 15. Juni 2019 fand in Wildberg ZH die fünfte interkulturelle Stille Retraite für christliche LeiterInnen statt. Seit der ersten Retraite vor zwei Jahren haben sich insgesamt 50 verschiedene Leute aus 24 Ländern und vier Kontinenten die Zeit genommen, mit anderen in der Stille aufzutanken und auf Gottes Stimme zu hören.

 

Aus der Stille hören

In unserem hektischen Alltag ist Stille selten. Und doch ist sie wichtig, um vor Gott, dem Schöpfer der ganzen Welt zu kommen und von ihm gestärkt zu werden – wie Gott selber dem israelitischen Volk sagte: „Durch Umkehr und durch Ruhe werdet ihr gerettet. In Stillsein und in Vertrauen ist eure Stärke“ (Jesaja 30,15, Elberfelder).

Deshalb liegt der Fokus dieser Retraite auf der Stille. Es gibt keinen Redner, keine Predigten und kein Singen. Stattdessen wird durch das Hören von Bibeltexten und in der gemeinsamen Stille Gottes Reden gesucht.

Die Teilnehmenden erzählen, wie sie schon öfters versucht haben, in der Stille auf Gottes Stimme zu hören, wie sie auch Ratschlägen von Büchern und Predigten gefolgt sind, aber trotzdem immer Mühe hatten, lange genug still zu sein. Denn die Ablenkungen sind gross und es braucht Übung, den Alltag um sich zu vergessen und vor den Schöpfer zu kommen. An der Retraite werden praktische Methoden eingeübt, die helfen, wirklich zur Ruhe zu kommen und sich auf Gott auszurichten. Und das Erstaunen ist gross: es funktioniert!

 

Austauschen

Etwas anderes erstaunt auch: Die Teilnehmenden haben alle verschiedene Hintergründe, doch beim Hören auf Bibeltexten gibt Gott ihnen oft ähnliche Gedanken. Das zeigt uns wiederum: unser Gott ist der Gleiche.

Am Ende der Retraite berichtet ein Teilnehmer begeistert: „Ich bin überwältigt! Das war genau, was ich brauchte!“ Denn als vielbeschäftigter christlicher Leiter muss man viel bieten und kann selten empfangen. Doch wie ein weiterer Teilnehmer feststellt: „Die Beziehung zu Jesus ist das Wichtigste – wichtiger als christliche Aktivitäten!“

 

Nächste Retraite

Die nächsten interkulturelle Retraiten für Leiter von internationalen Gemeinden und internationale christliche Verantwortungsträger finden 2020 statt:

24.-25. Januar 2020 bei Thun: www.interculturel.info/interkulturelle-retraite-2020-jan

19.-20 Juni 2020 bei Winterthur: www.interculturel.info/interkulturelle-retraite-2020-juni

 

Autor: Susanna Pope
Foto: African Link
22.6.2019

Tanzen, klatschen, feiern Live

Juni 22, 2019 by

Wer den Gottesdienst der eritreischen in Aarau besucht, kann am Sonntagmorgen länger ausschlafen. Denn dieser Gottesdienst beginnt erst am Nachmittag. Zudem erhält der Besucher Einblick in eine neue Kultur.

 

Herzlich Willkommen

Von links und rechts werde ich herzlich begrüsst, als ich den Gottesdienstsaal betrete. Es wird bereits auf Tigrinya gesungen, dazu hört man laute Freudenschreie. Ich finde einen Platz neben einer Frau, die mir die Bedeutung der Lieder erklärt. Als Schweizerin bin ich hier klar in der Minderheit. Aber: ich bin herzlich willkommen.

Ein Lied fliesst in das andere, eine ganze Stunde lang. Nach dem Singen beginnt eine Frau zu predigen. Die Predigt handelt vom Fundament im Glauben – nämlich Jesu Opfer für uns am Kreuz, das unsere Beziehung zu Gott wiederherstellt. Wir werden ermahnt, kein „christliches“ Leben aus eigener Kraft zu leben, sondern allein auf dieses Fundament zu bauen.

Begegnungen

Der Gottesdienst geht zu Ende und meine Sitznachbarin führt mich nach oben, wo wir noch mit Tee und eritreischem Brot im Gespräch verweilen. Ich nehme einen Schluck des süssen Tees, während ein siebenjähriges Mädchen begeistert mit mir quatscht.

Nach einiger Zeit mache ich mich auf den Weg nach Hause, dankbar für dieses Erlebnis und die neuen Begegnungen.

 

Internationalen Gottesdienst besuchen

Möchten Sie auch einen internationalen Gottesdienst erleben? Ich kann Ihnen versprechen, er wird anders sein, als Sie sich gewohnt sind. Er wird vielleicht verspätet beginnen und länger dauern als Sie erwarten. Er ist vielleicht lauter als Sie es gewohnt sind. Aber ich bin mir sicher: Sie werden herzlich willkommen geheissen.

 

Informieren Sie sich auf www.interculturel.info > IK-Adressen > Internationale Kirchgemeinde. Scrollen Sie durch die Liste oder suchen Sie anhand der Sprache oder Region nach einer Gemeinde. Und fragen Sie am besten vorher nach, um welche Zeit Sie kommen sollen.

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Autor: Susanna Pope
Foto: Church of the living God
22.6.2019

Gottes Gegenwart erleben

Juni 7, 2019 by

Jedes Wochenende feiern in der Schweiz über 200 christliche Gemeinden, die von afrikanischen Pastoren geleitet werden, ihre Gottesdienste. Was erlebt man dort als Besucher? Im Rahmen von African Link, unserem Dienst bei MEOS Interkulturelle Dienste, habe ich seit über zehn Jahren die Gelegenheit, verschiedenste Gottesdienste zu besuchen. Immer wieder werde ich persönlich berührt.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Viele afrikanisch geleitete Gemeinden versammeln sich in Industriebauten oder am Sonntagnachmittag als Untermieter bei Schweizer Gemeinden. Wenn ich den Eingang des Gebäudes gefunden habe, ist es nicht mehr schwierig: Oft weisen Schilder und die Geräusche den Weg.

Aber wann beginnt der Gottesdienst? Manchmal gibt es zuerst einen Bibelkurs. Deshalb erkundige ich mich beim Leiter, um welche Zeit ich am besten kommen soll. Er weiss, dass Schweizer klare Zeitangaben schätzen.

Gebet und Worship

Wenn ich afrikanische Pastoren frage, was Schweizer Christen von ihnen lernen können, erwähnen viele spontan das Gebet. Das ist nicht nur eine Behauptung, man spürt es in den Gottesdiensten, die in der Regel mit einer intensiven Gebetszeit starten. Alle Anwesenden werden angeleitet, ihre Freude und Dankbarkeit über Gottes Grösse, seine Liebe und sein Wirken laut auszudrücken. Eine Zeit der Umkehr darf nicht fehlen, auch nicht Fürbitte für tägliche Nöte und für die Schweiz.

Fliessend schliesst sich eine begeisterte Worshipzeit an. Band und Chor umrahmten schon die Gebetszeit, jetzt drehen sie auf. Ich habe schon erlebt, dass dabei ein Drittel der Anwesenden auf der Bühne standen – volle Mobilisation.

Immer willkommen

In einem speziellen Teil werden die Gäste begrüsst und oft als Zeichen der Wertschätzung gebeten aufzustehen. In allen Gemeinden war die Freude über meinen Besuch gross. Beim Aufstehen muss man also nichts befürchten.

Nicht alle Gemeinden übersetzen ihren Gottesdienst sowieso auf Deutsch. Wenn ich die Sprache nicht verstehe, wie in eritreischen Gemeinden, fand sich bisher immer eine Person, die mir das Wichtigste zusammenfasste.

Der lebendigste Moment

Die Predigten erlebe ich anfeuernder als in Schweizer Gemeinden, zum Glück, sie sind auch etwas länger. Aber die Post geht oft erst im letzten Teil des Gottesdiensts so richtig ab: Zu mitreissender Musik bringen die Gottesdienstteilnehmenden ihre Beiträge für die Kollekte nach vorn. Immer wieder wird dabei fröhlich getanzt.

Gott spricht

Vor ein paar Jahren besuchte ich den Gottesdienst einer sehr kleinen afrikanischen Gemeinde. Es waren nur etwa ein Dutzend Leute anwesend. Ich war auch nicht ganz bei der Sache, weil mich eine Frage quälte: Meine Tochter wollte einen Einsatz im Südosten von Niger machen, nur etwa 100 km vom Hauptquartier von Boko Haram entfernt, und die Mission bat um das Einverständnis der Eltern. Das Gottesdienstprogramm war eher durchschnittlich, aber die Erwartung an Gottes Gegenwart und sein Reden war umso grösser. Das packte mich und am Schluss des Gottesdienstes hatte ich die Antwort auf meine Not. Zu Hause fragte ich meine Tochter, ob sie den Eindruck habe, dass Gott sie an jenem Ort haben wollte. Als sie das bejahte, konnte ich sie für den Einsatz in Gottes Hände legen. In diesem Gottesdienst habe ich Gott erlebt – darauf kommt es an.

.

[Dieser Artikel erschien in «wort+wärch» Mai 2019 (S. 12). Download als pdf.]

Autor: Johannes Müller
Foto: wort+wärch
7.6.2019

Neuer Koordinator für interkulturell

Mai 29, 2019 by

Am 26. Juni wird Egzon Shala mit einem 30-Prozent-Pensum die Funktion des Koordinators der SEA-Arbeitsgemeinschaft interkulturell von Ricardo Serrano übernehmen. Egzon Shala ist daneben auch bei der Beratungsstelle für Integrations- und Religionsfragen BIR und CULTURES (Ausbildung für Christen im Integrationsprozess) angestellt. Er ist im Kosovo geboren und aufgewachsen und mit einer Schweizerin verheiratet. Als Betreuer in Asylzentren und mit CULTURES sammelte er interkulturelle Erfahrungen. Die Leitung von interkulturell freut sich, mit ihm unterwegs zu sein, und dankt Ricardo Serrano von ganzem Herzen für seinen Einsatz in den letzten Jahren.

Die Kombination der verschiedenen Aufgaben, die Egzon in seinem Jobprofil vereint bildet auch ein Stück der Breite von interkulturell ab. Bei der BIR beratet er Flüchtlinge und Mitarbeitende von Kirchen oder Freiwillige in der Begleitung von Flüchtlingen. Cultures bildet Menschen im Asylprozess oder mit Migrationshintergrund aus in ihren Kulturumfeld und mit ihrer interkulturellen Kompetenz Menschen im christlichen Glauben anzuleiten. Durch die Vernetzungsarbeit von interkulturell komplettiert er sein Profil.

 

Autor: Matthias Ettlin
Foto: AG ik
29.05.2019

Austauschtreffen «Christliche Ausbildung im interkulturellen Umfeld»

Mai 29, 2019 by

«Wir müssen zukünftig noch interkultureller Ausbilden.» «Wir können an Tragweite und Zeugnis im Miteinander gewinnen.» «Wir wollen Menschen mit Migrationshintergrund teilhaben lassen.» «Wir müssen einen Standard in der theologischen Bildung bewahren.»

Am erstmaligen Austauschtreffen, initiiert von interkulturell, zu christlicher Ausbildung im interkulturellen Umfeld wurden obenstehende Aussagen gemacht und diskutiert. Die Ausbildungsstätten der Deutschschweiz, Ausbildungsprogramme für interkulturell engagierte und Vertreter von Ausbildungen für Migranten kamen in Aarau zusammen. Es herrscht Konsens über Handlungsbedarf. Es werden erste kleinere Ideen angepackt. Entstandene Kooperationen sollten nun gestärkt werden. In einem Jahr ist der nächste Austausch, der hoffentlich ausgelöste Prozesse aufzeigt, geplant.

 

Autor: Matthias Ettlin
Foto: AG ik
29.05.2019

Bete weiter für mich!

April 18, 2019 by

«Dieser Gebetsmoment ist wirklich gut gestaltet!» Diesen Eindruck bekamen meine Frau und ich gleichzeitig, als wir den Gottesdienst der Internationalen Kirche Thurgau besuchten. «So etwas schlagen wir für die interkulturellen Programme in unserer Heimatgemeinde auch vor.»

Bei der interkulturellen Arbeit hat man nie ausgelernt, wie man Migranten begegnen und ihnen das Evangelium weitergeben kann. Christliche Gemeinden und Initiativen inspirieren sich oft gegenseitig – ein handfester Ausdruck davon, dass wir als Jünger von Jesus zusammengehören und er alles koordiniert.

Was war an dieser Gebetszeit in Frauenfeld so besonders? Eigentlich etwa ganz Einfaches: Den Anwesenden, die aus den unterschiedlichsten Ländern stammen, wurde die Gelegenheit gegeben, ihre Anliegen auf Kärtchen zu notieren und nach vorne zu bringen. Für ein paar Anliegen wurde sofort öffentlich gebetet. Und es wurde versprochen, dass für alle Anliegen weiter bis zum nächsten der monatlichen Gottesdienste gebetet wird.

Öffentliches Gebet

In unserer Heimatgemeinde helfen wir seit einigen Jahren bei der Organisation von interkulturellen Festen mit, die drei Mal im Jahr stattfinden. Von Anfang an war immer ein Gebetsteam im Haus und betete während des ganzen Anlasses im Hintergrund für die Gäste und das Programm. Aber jetzt sollte das Gebet in den Vordergrund kommen, vorne auf die Bühne. Ich spürte, dass mich dies herausfordern würde, meinen Glauben nicht nur diskret, sondern wagemutiger und sichtbarer zu leben. Öffentliches Gebet würde Gott die Gelegenheit geben, sich zu zeigen. Es wäre auch ein klares Signal an die Gäste aus den verschiedenen Kulturen und Religionen: Wir sind auch «religiös», mehr noch, wir glauben an einen Gott, der sich für jede und jeden interessiert und der konkret eingreift.

Bei der ersten Gebetszeit am nächsten Fest wurden etwa 40 Zettel mit Anliegen abgegeben, beim folgenden Fest schon 60. Wie immer bei diesen Festen war es im Saal recht unruhig. Das Aufschreiben der Gebetsanliegen, manchmal mithilfe der Schweizer Gastgeber, brachte auch die Gespräche neu in Gang. Meine Frau und ich mussten uns einen kleinen Ruck geben, um trotzdem mit dem Gebet zu starten. Während wir laut einige der Bitten vor den himmlischen Vater brachten, merkten wir – zunächst erstaunt und halb unbewusst – wie es im Saal immer leiser wurde, bis auch das letzte Getuschel verstummte. Diese Stille war das Wirken des Heiligen Geistes, gepaart mit der Ehrfurcht vor Gott. Dieser Moment war zwar nur kurz, aber sehr speziell für uns.

Beten mit Musliminnen

Zusammen mit einer pakistanischen Christin leitet meine Frau ein monatliches interkulturelles Frauentreffen. Auch dort hat das Beten mit den Frauen einen festen Platz gefunden. Obwohl die Leiterinnen im Namen von Jesus beten, hat bisher keine Frau aus einer anderen Religion auf die Teilnahme am Treffen verzichtet. Im Gegenteil, eine afghanische Muslimin betonte: «Ich möchte unbedingt zum Frauentreff kommen…wegen dem Gebet! Wenn ihr betet, passiert etwas.»

Kürzlich schilderte eine syrische Muslimin ihr Anliegen: «Meine Tochter hat keine Freundin im Kindergarten. Sie möchte fast nicht gehen und kommt immer traurig heim. Könnt ihr bitte dafür beten?» Am selben Abend kam eine WhatsApp-Nachricht: «Meine Tochter kam freudestrahlend aus dem Kindergarten nach Hause. Sie hat jetzt eine Freundin.» Seither geht das Mädchen gern in den Kindergarten. Gott erhört Gebet!

Mut zum Gebet

Vor mir liegt ein Blatt mit fünf Anliegen vom letzten interkulturellen Fest – mein Teil am Versprechen, dass die Gemeinde für die Gäste bis zum nächsten Mal weiterbetet: fünf Menschen und Familien, die bei Gesundheits- und Zukunftsfragen Hilfe von Gott erhoffen. Ich bin froh, dass ich diese Nöte täglich unserem Vater im Himmel bringen kann.

Dieses Gebet macht noch etwas anderes mit mir: Ich habe neuen Mut bekommen, auch bei persönlichen Begegnungen Menschen aus anderen Kulturen Gebet anzubieten.

(Dieser Artikel erschien im Magazin Insist 2/19 (S. 28). Das Heft steht zum Download zur Verfügung.)

Autor: Johannes Müller
Foto: Johannes Müller
18.4.2019

Frei von Drogen

April 18, 2019 by

&Cultures ist eine modulare Ausbildung für Menschen mit Migrationshintergrund. Während 18 Modulen beschäftigen wir uns mit Themen wie Gemeindegründung, interkultureller Arbeit/ Kulturen und Evangelisation. Im &Cultures lernst du, wie man eine Arbeit unter Migranten aufbaut und nachhaltig zum Wachsen bringt. Dazu suchen wir Menschen mit Migrationshintergrund, die eine Sicht für Gemeindegründung und Evangelisation haben. Wir suchen Menschen, die ein Anliegen für ihre eigene Volksgruppe haben und dieses Anliegen auch praktisch umsetzen wollen

 

Egzon Shala von Leitungsteam, hat Siawash (Student von &Cultures) zu seiner Lebensgesichte interviewt.

 

Siawash, wie war dein Leben in Afghanistan?
Ich komme zwar aus Afghanistan, musste mit meiner Familie aber in der Iran flüchten, als ich erst 9 Monate alt war. Dort bin ich dann aufgewachsen.

 

Wie war dann das Leben im Iran, wo du somit ja auch als Ausländer aufgewachsen bist?
Leider werden die Afghanen im Iran immer als Ausländer betrachtet. Sie dürfen nicht am gleichen Ort wohnen, dürfen nicht Auto fahren, nicht dieselben Arbeiten ausführen, keine SIM-Karte besitzen… – es war sehr schwierig!

 

Wie bist du damit umgegangen? Warst du nicht frustiert?
Doch, ich habe es sehr schwierig erlebt. Nachdem ich mit 20 Jahren heiratete, fing ich 2 Jahre später an, Drogen zu nehmen. Immer mehr hat dies mein Leben kaputt gemacht, bis sich meine Frau sogar von mir scheiden lassen wollte.

 

Was ist dann passiert? Wie bist du frei davon geworden?
Ich konnte mir leider nicht helfen. Auch meine Familie hat es versucht, ich habe Entzüge gemacht, aber nichts hat funktioniert.
Ich hatte einen Kollegen von früher, der Christ war. Ich habe ihm aber nie wirklich vertraut. Als er mich einmal in seinen Hauskreis einlud, beteten sie dort für mich und ich hatte plötzlich kein Verlangen nach Drogen mehr! Die Nacht darauf hatte ich allerdings Entzugserscheinungen, Schmerzen, und dachte, ich kann das nicht. Da habe ich eine Stimme gehört, die mir sagte: «Siawash, du kannst frei werden! Hier, nimm meine Hand und vertraue mir.»

 

Und da hast du dann dein Leben Jesus gegeben?
Ehrlich gesagt, nein. Es war sehr schwierig für mich. Erst nachdem ich 2 Jahre mit dieser Gruppe unterwegs war, konnte ich mein Leben ganz Jesus hingeben und ihm voll vertrauen.
Nach vier Jahren hat meine Frau gesehen, wie sich mein Leben verändert hat und hat ihr Leben auch Jesus gegeben.

 

Warum bist du schliesslich vom Iran in die Schweiz gekommen?
Ich konnte dort meinen Ausweis nicht mehr verlängern und musste den Iran verlassen.

 

Was machst du jetzt in Bern? Was ist dein Wunsch für die Afghanen hier?
Jede zweite Woche treffen wir uns in einem afghanischen Hauskreis; zusätzlich auch regelmässig in einer Farsi-sprechenden Gruppe, wo jeweils bis zu 80 Leute kommen.

Ich wünsche mir ein Afghanistan ohne Krieg! Aber vor allem auch, dass die Leute Jesus kennen lernen und seine Liebe erfahren, sodass sie einander nicht mehr bekämpfen müssen.

 

Autor: Nate Jakob, Team Cultures
Foto: &Cultures
10.04.2019

Weitere Links
www.andcultures.ch/stories/

Arbeitsgemeinschaft diskutiert neues Asylverfahren

April 9, 2019 by

Die Auswirkungen des neuen Asylverfahrens per 1.März 2019 nahm das Arbeitsgemeinschaftstreffen zur Diskussionsgrundlage. In maximal 140 Tagen soll nun ein Asylentscheid gefällt werden. Bei positivem Entscheid werden die Asylsuchenden in kantonale Unterkünfte umgesiedelt. Dem Kanton steht die Integration in Arbeit, Bildung und Zusammenleben zu.
In der Diskussion am grossen Tisch haben wir ausgetauscht, wo für Christen Türen geschlossen wurden oder höhere Anforderungen gestellt werden. Auf der anderen Seite haben wir auch die Möglichkeiten erörtert, die ein Systemwechsle mit sich bringt. Das Verfahren wir seid einem Monat umgesetzt, was aber nicht heisst, dass die Einrichtungen und Abläufe schon bereit sind. Wir fordern Christen auf dem Staat zu helfen und vor allem die Menschlichkeit des Asylsuchenden und nicht dessen Leistung als Kriterium für Integration zu sehen. Im gemeinsamen Gespräch über Möglichkeiten für die soziale Integration wurde der folgende Ausspruch gemacht: «Wir (mit den Kirchen) sind eigentlich die Experten für das (interkulturelle) Zusammenleben!»

Um an den Treffen der Arbeitsgemeinschaft teilzunehmen kannst du deine Organisation gerne als Partner anmelden.

Autor: Matthias Ettlin
Foto: ik
9.4.2019

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