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Coaching für Begleitpersonen von Migranten startet in Bern
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News

Coaching für Begleitpersonen von Migranten startet in Bern

März 15, 2019 by

Zahlreiche Menschen engagieren sich ehrenamtlich im Migrationsbereich, indem sie beispielsweise Flüchtlinge besuchen oder Asylsuchende in ihren konkreten Alltagsbedürfnissen begleiten. Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA möchte sie in ihrer wertvollen, aber mitunter anspruchsvollen Aufgabe unterstützen und bietet durch ihre Beratungsstelle für Integrations- und Religionsfragen (BIR) ein Coaching in Gruppen an. In vier Treffen werden Herausforderungen reflektiert und Fragen geklärt. Weitere Ziele sind die Vernetzung mit Fachpersonen und die Auseinandersetzung mit den rechtlichen Möglichkeiten im Asylwesen.

 

Nachdem ein Pilotprojekt in der Region Thun erfolgreich durchgeführt worden ist, findet nun ein weiterer Kurs in Bern mit Start am 7. Mai 2019 statt. Interessierte können sich bis am 20. April anmelden.


Autor: Matthias Ettlin

Foto: BIR
15.03.2019

Mehr Informationen und Anmeldung

Weitere Links
www.bir-each.ch
Bericht Pilotprojekt (PDF)

Nach acht Jahren wieder gemeinsam unterwegs

Januar 11, 2019 by

Ende des letzten Jahres gab es Hinweise, dass zwei evangelische eritreische Gemeinden in Zürich ihren Zusammenschluss vorbereiteten. African Link hatte mit beiden Gemeinden und ihren Leitern schon länger Kontakt. Ein Schwerpunkt der letzten Zeit ist die Arbeit unter den Kindern, die in einem ganz anderen Umfeld wie ihre Eltern aufwachsen. Neben der Sensibilisierung der Eltern fördert African Link die Arbeit der Sonntagsschulen.

Nun stand die Fusion der beiden Gemeinden bevor, aber wann und wo sollte die Startfeier stattfinden? Eine eritreische Bekannte von Barbara Müller teilte ihr ein paar Tage vorher mit, dass das Fest am 2. Januar 2019 in den Räumen des Migrationskirchenzentrums in Wipkingen stattfinden sollte. So wurde es zu einem besonderen interkulturellen Jahresstart.

Ein freudiges Fest

Nach einem langen Worshipblock erklärte der Tagesprediger den Annäherungsprozess und die Versöhnung der beiden Gemeinden, die sich acht Jahre zuvor getrennt hatten. Die Gemeinden sind nicht mehr dieselben, einige Eritreer haben neu Jesus gefunden und haben sich ihnen angeschlossen. Der Prediger betonte, dass die beiden Gemeinden zusammengehören, so wie die linke und die rechte Hand aufeinander angewiesen sind.
Man spürte, wie der Tag von erwartungsvoller Freude geprägt war. Zwischen den beiden Hauptteilen des Tagesprogramms wurde die mehrere hundert Anwesenden mit einem eritreischen Essen aus Injera (Brotfladen) und leckeren Saucen verpflegt. Schweizer Gäste waren kaum dabei, dafür Vertreter von eritreischen und äthiopischen Gemeinden aus anderen Teilen der Deutschschweiz.

Gott gehört die Ehre

Der Leiter einer der beteiligten Gemeinden meinte nach dem Fest: «Eigentlich wollten wir gemeinsam arbeiten, aber wir haben bisher die Gelegenheit nicht gefunden. Jetzt haben wir diese Chance von Gott bekommen. Vier Monate lang haben wir gebetet und miteinander gesprochen. Am Schluss ist alles sehr gut gegangen. Ich möchte gern unserem Vater und Gott Preis geben. Amen.»
Die vereinte Gemeinde feiert ihre Gottesdienste am Sonntagnachmittag in den Räumen der Missione Evangelica Italiana in Zürich Stettbach.


Autor: Johannes Müller
Foto: Johannes Müller
11.1.2019

Wenn Migranten kein Gesicht mehr haben

Dezember 17, 2018 by

«Ich bin ein Niemand», ging es mir durch den Kopf. Beim Spaziergang durch die Winterthurer Altstadt war mir kein Bekannter begegnet, niemand hatte mich gegrüsst. Ein paar Wochen zuvor waren wir nach einem vierzehnjährigen Einsatz in Guinea (Westafrika) in die Schweiz zurückgekehrt. Dort war ich als der weisse Pastor stadtbekannt gewesen, auf der Strasse sprachen mich viele Menschen an. Kurz: Ich war ein Jemand.

Das ist vor einigen Jahren geschehen. Die Migration zurück aus Afrika führte uns in ein Umfeld, das wir von früher her gut kannten. Wir beherrschten die Sprache und kamen mit dem Alltag relativ rasch wieder zurecht. Und doch ergriff mich seither öfters das Gefühl, nicht dazu zu gehören. Im Vergleich zu unserer Zeit in Guinea hatte ich im Schweizer Umfeld kein «Gesicht».

 

Migration löst Scham aus

Menschen, die aus gemeinschaftlichen Kulturen stammen und neu in die Schweiz einwandern, erleben intensiv, dass sie ihr Beziehungsnetz und ihren Platz verloren haben. Sie spüren, dass sie nicht zur Gemeinschaft gehören. Das Gefühl, ausgeschlossen zu sein, löst Scham aus.
Das ist typisch. Viele Migrationserfahrungen haben etwas Beschämendes an sich. Ein eritreischer Flüchtling, der in Italien wegen der winterlichen Kälte auf Abluftkanälen übernachtete, schrieb: «Ich will nicht gesehen werden, sondern mich verstecken und in Luft auflösen, so sehr schäme ich mich. Was soll ich meiner Mutter sagen, wenn ich das nächste Mal anrufe? … Gegen bodenlose Scham hilft kein Gebet .»
Viele Flüchtlinge können kaum von ihrer Reise erzählen. Traumatische Erlebnisse wie Misshandlungen, Vergewaltigungen und Ohnmacht beschämen sie zu sehr. Aber auch die Situation als Asylsuchende im Gastland trägt zur Scham bei. Mangelnde Sprachkenntnisse und Arbeitslosigkeit zeigen ihnen immer wieder, dass sie den Anforderungen nicht genügen.

 

Persönliche Wertschätzung geben

Kürzlich begleiteten meine Frau und ich einen jungen Ghanaer in eine internationale christliche Gemeinde, damit er mit dem Pastor die Ablehnung seines Asylgesuchs besprechen konnte. Die beiden wechselten sofort in eine afrikanische Sprache. Ich dachte, dass sie aus demselben Volk kamen. Aber der Pastor erklärte mir auf Englisch, das sei nicht der Fall, sondern er beherrsche drei ghanaische Sprachen, darunter die des jungen Mannes. Als ich meine Bewunderung für seine Sprachkenntnisse ausdrückte, gestand er mir, dass er nur mit Deutsch nicht zurechtkomme. Erst als er meine Wertschätzung spürte, konnte er diese Schwäche zugeben.
Es gibt aber auch eine andere Sichtweise: Jeder Migrant und jede Migrantin ist eine Fachperson. Ihre Kenntnisse des Herkunftslandes, der Kultur und ihre Erfahrungen sind einmalig. Wenn sie dieses Wissen konstruktiv zur Geltung bringen können – was im Schweizer Umfeld selten automatisch geschieht – ist das für sie sehr wertschätzend. Ehre ist das beste Gegenmittel zur Scham.

 

Sichtbare Anerkennung vermitteln

Migranten aus Kollektivkulturen werden bei uns besser Fuss fassen, wenn sie nicht nur einzelne Kontakte haben, sondern auch in gemischte Gruppen zusammen mit Schweizern hineinfinden. Auf dem Fussballplatz gelingt das immer wieder. Aber nicht alle Migranten spielen Fussball. Was können christliche Gruppen und Gemeinden tun?
Ein Afrikaner, der seit einer Weile in die Gemeinde kommt, zu der ich gehöre, stellte mir seine dreizehnjährige Tochter vor. Er fragte, ob sie nicht in einer der Worshipbands mitsingen könne. Mir war klar: Vorne auf der Bühne würde die Begabung des Mädchens sichtbar und alle würden sehen, dass sie und ihre Familie zur Gemeinde gehören. Leider konnte ich sie an keine Band vermitteln, weil sie deutlich zu jung war. Welche andere Aktivität könnte die Gemeinde dem Mädchen und seinen Eltern anbieten, bei der sie wahrgenommen werden und Anerkennung erfahren?
Als Jesus gefragt wurde, wer der Nächste sei, den wir lieben sollen, erwähnte er einen Fremden – einen Samariter. Fremde lieben bedeutet, ihnen wieder ein Gesicht zu geben, ihnen echte Wertschätzung entgegenzubringen und dafür zu sorgen, dass sie in ihrem Umfeld beachtet werden. Das ist Ausdruck der Liebe, zu der Gott uns auffordert .

 

Für mehr Tipps zum Thema, siehe das Buch: «Ehre, Scham und Harmonie: Interkulturelle Kontakte und ihre Herausforderungen» (Ruth Lienhard, VTR, 2016 / erhältlich bei MEOS Medien).

 

Dieser Artikel erschien im Magazin Insist 4/18 (S. 28). Das Heft steht zum Download zur Verfügung.


Autor: Johannes Müller
Foto: Choir1984 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:African_Childrens_Choir_Picture.jpg)
17.12.2018

#christmas4refugees

Dezember 12, 2018 by

Vielleicht hast du für diesen Monat schon einen speziellen Anlass geplant um Flüchtlinge einzuladen und an dieser Advents- und Weihnachtszeit teilzuhaben. Jetzt wo die Temperaturen sinken und der erste Schnee fällt sind Orte wo es etwas Warmes zu trinken oder zum Essen und Gemeinschaft gibt besonders willkommen. Viele Flüchtlinge haben von Weihnachten gehört, wissen aber nicht, was es eigentlich meint. Oder sie haben eine ganz andere Vorstellung von dem, was es eigentlich ist. Einige haben schon in ihrer Heimat Weihnachten gefeiert – andere haben Weihnachten nie selber erlebt. Wie auch immer – alle spüren, dass da etwas in der Luft liegt: Ein Fest, der Wunsch ein Geschenk zu erhalten oder etwas weiter zu verschenken. Der Wunsch mitzumachen oder Teil einer Familie zu sein.

 

Zögere nicht die Love Europe Flüchtlings-App zu nutzen, um deine Aktion bei Flüchtlingen bekannt zu machen. Wähle die Kachel Events und klicke auf den roten + Knopf und füll die Infos wie Zeit und Ort aus. Wir freuen uns dies dann online zu stellen damit jede Person einen Platz finden kann, wo sie willkommen ist in den nächsten Tagen.

 

Nutze auch den hashtag #christmas4refugees auf den Social Media Kanälen um deine Aktion bekannt zu machen, sei es
– zusammen Guetzli backen
– Weihnachtslieder lernen und singen
– den ersten Schnee zu geniessen
– eine heisse Schokolade zusammen zu trinken
– eine 2 x Weihnachten Päckli zu packen
– zusammen Kerzen zu ziehen
– Heilig Abend oder Weihnachten zusammen zu feiern
– …

Internationale Gemeinden mobilisieren sich für ihre Kinder

November 8, 2018 by

Staunende Kinderaugen sind bei uns – gerade über Weihnachten – keine Seltenheit. Wie können Kinder lernen, nicht nur über Weihnachten, sondern über Gott zu staunen? „Stuune über Gott“ – dies war das Thema der KiFO („Kinder-im-Fokus-Konferenz“) am 3. November 2018. Johannes und Barbara Müller koordinierten den internationalen Teil dieses Ausbildungstags für 22 Teilnehmende aus 6 verschiedenen Migrantenkirchen.

Seit 2012 wird auf St. Chrischona bei Basel alljährlich die grosse Deutschschweizer Weiterbildungskonferenz KiFO aller christlichen Werke und Gemeinden mit Arbeitszweigen im Kinderbereich mit regelmässig um die 400 Besucherinnen und Besuchern organisiert. Nebst den Plenarveranstaltungen wurden insgesamt zehn Wahlseminare für die Arbeit mit Kindern angeboten und nicht weniger als 15 institutionelle Aussteller boten an ihren Ständen eine Fülle von Material an. Eines dieser Seminare ist seit fünf Jahren speziell für Ausländer und wird von den MEOS-Mitarbeitern Johannes und Barbara Müller geleitet.

 

Fragen der Identität

Bevor Kinder zum Staunen über Gott gebracht werden können, so eine Erkenntnis aus der Pädagogik, die in der Plenarveranstaltung am Morgen dargelegt wurde, müssen sie erleben, dass sie geliebt und geachtet sind. Bei Secondos, die zwischen zwei Kulturen aufwachsen, ist es somit besonders wichtig, dass diese zunächst Nähe und Zuwendung erfahren und dass sie in ihren Problemen ernst genommen werden.
In diesem Sinne verwies Johannes Müller im internationalen Seminar anhand von biblischen Migrationsgestalten wie Daniel, Joseph oder Jesus zunächst auf eines der zentralen Probleme von Migranten, nämlich die Frage nach der eigenen Identität. Die Seminarteilnehmer konnten ihre Diskriminierungs-Erlebnisse sowie diejenigen ihrer Kinder schildern und reflektieren. Ein Seminarteilnehmer erzählte etwa von seinen Kindern, die sich gewohnt gewesen seien, vor dem Essen zu beten. In der Schule hier in der Schweiz aber werde das nicht gemacht. Nun seien seine Kinder verunsichert und wüssten manchmal nicht, was sie tun sollen.
Nicht selten führen solche und schwierigere Erlebnisse die Kinder zu den grundlegenden Identitätsfragen: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Barbara Müller konnte aufzeigen, wie gerade in diesen Fragen der Glaube Sicherheit und Halt vermitteln kann.

 

Probleme erkennen und lösen

In einem zweiten Teil des Seminars stellte Barbara Müller einige wichtige Unterschiede zwischen der „Wir“ – Kultur, die in den Herkunftsländern der Migranten zu einem Grossteil vorherrscht, und der „Ich“ – Kultur, die wir in Europa antreffen, anhand konkreter Alltagssituationen dar. Einer der grossen Unterschiede sei etwa, dass die Kinder in den Herkunftsländern der Migranten die meisten Dinge durch Nachahmen erlernen müssten ohne Fragen zu stellen. Bei uns sei das gerade umgekehrt: Von europäischen Kindern werden sehr schnell eigene Meinungen erwartet. In einer Ich-Kultur wird mehr durch Lob und Strafe, in einer Wir-Kultur durch Angst vor Beschämung erzogen. Erst wenn diese kulturellen Unterschiede erkannt seien, so Barbara Müller aus ihrer langen Erfahrung, könnten Migrantenfamilien sie auf konstruktive Weise im Gastland bewältigen.
In einem weiteren Seminar legte Rebekka Konrad aus der FEG Sirnach dar, wie gerade auch durch gute Gewohnheiten und feste Alltagsrituale Kindern zu mehr Sicherheit und Halt verholfen werden kann. – Und so können dann auch Ausländerkinder zum Staunen über Gott und die Welt kommen.

 

KiFO-Konferenz


Autor: Christian Wider
              (Artikel von MEOS Interkulturelle Dienste zur Verfügung gestellt)
Foto: Johannes Müller
8.11.2018

Seit rund zehn Jahren leiten wir die Jungschar im Herzen von Neuhausen – mitten im Quartier. Wir blicken zurück.

August 31, 2018 by

Erster Jungschinachmittag in Neuhausen, Samstag, 13:30 Uhr, Treffpunkt Schulhausplatz. Wir staunen. Zehn Kinder warten auf uns. Es kann losgehen!

 

Ein Blick auf die Entstehung

Ein schönes Problem: Wir sind zu viele Leitende für unsere Gemeindejungschi. Was machen wir mit diesem Potenzial? Die Idee einer Quartierjungschi stösst auf Anklang. Einige der Leitenden sind bereit sich dafür zu investieren. So starteten wir mit einer vierteljährigen Vorbereitungsphase. Wir sammelten Ideen, liessen uns von anderen inspirieren, träumten, beteten und luden die Kinder im Quartier zum ersten Anlass ein. Sie kamen! Wir freuten uns über den guten Start.

 

Ein Blick auf unsere Jungschikinder

Die grosse Mehrheit unserer Teilnehmenden sind Kinder mit Migrationshintergrund aus den unterschiedlichsten Herkunftsorten. Einige sind katholisch, andere muslimisch und ein paar wenige sind Kinder aus unserer Gemeinde. Es ist eine bunt gemischte Gruppe im Primarschulalter mit einer Gemeinsamkeit; alle sind in Neuhausen wohnhaft, wo es bisher noch keine Jungschigruppe gab. Dreiviertel der Kinder kommen ziemlich regelmässig. Ein Erinnerungs-whats app oder ein kurzes Telefon vor dem Nachmittag hilft, den Anlass nicht zu verpassen. Neue Kinder stossen oft während der Spielzeit auf dem Schulhausplatz am Anfang des Nachmittags dazu. Positive Erfahrungen haben wir auch mit Schnitzeljagd und Schmuggelspiel im Quartier gemacht. Kinder, die draussen unterwegs sind, sehen uns, werden neugierig und sind binnen kurzem mitten ins Geschehen eingebunden.

 

Einblick ins Geheimrezept

DAS Geheimrezept kennen wir nicht. Bewährt hat sich ein langer Atem, denn Beziehungen aufbauen und Vertrauen gewinnen, braucht Zeit. Unterdessen kennt man uns im Quartier und es sind viele wertvolle Kontakte zu den Familien entstanden. Es motiviert uns, ehemalige Jungschärler zu begleiten, die nun zu Leitenden heranwachsen und Verantwortung übernehmen.

Gelernt haben wir, dass nicht die Anzahl Kinder entscheidend sind, sondern die gemeinsam verbrachte Zeit mit jedem einzelnen Kind, das durch uns Christus erleben darf.

Kontakt:

www.js-sh.ch/neuhausen
info@js-sh.ch

Interkulturelle Diakonie und Gemeinde

Juni 26, 2018 by

Am 20. Juni 2018 lud die AG interkulturell zu einem nationalen runden Tisch ein, an dem ein Austausch über interkulturelle Diakonie und Gemeinden stattfinden kann.
Knapp dreissig Vertreter und Interessierte aus unterschiedlichen Gemeinden und Werken trafen sich dazu an diesem Mittwochmorgen in der Gemeinde für Christus in Bern.
Es ging um die Fragen, wie Menschen mit Migrationshintergrund Anschluss in die Gemeinde finden können, aber auch wie internationale Kirchen ihre Mitglieder mit Migrationshintergrund unterstützen können.
Die Gemeinden FocusC aus Chur, GvC Winterthur, die Iglesia Cristiana Hispano Suiza aus Dulliken und die Assmblée Chrétienne de Bâle berichteten über ihre Erfahrungen bei deren diakonischen Projekten. Dabei wurde nicht nur über Erfolg und Wirkungskraft gesprochen, sondern auch über Bedürfnisse und damit verbundene Herausforderungen.
In anschliessenden Gesprächsgruppen wurde gemeinsam offene Fragen geklärt und über praktische Tipps für die Zukunft diskutiert. Durch diesen offenen Dialog, wurden die Teilnehmer nicht nur ermutigt weitere Schritte zu unternehmen, sondern diese auch mit anderen zu teilen. So können sich die Gemeinden gegenseitig als Inspiration dienen und unterstützen.

Autor: Philipp Herrgen
Foto: interculturel
26.6.2018

Wenn Migranten in der Gemeinde auftauchen

Juni 25, 2018 by

Ausländische Nachbarn haben wir vielleicht schon länger. Arbeitskollegen, die nicht in der Schweiz geboren wurden, ebenfalls. Wenn 37% der Bevölkerung, also über 3 Millionen Menschen, einen Migrationshintergrund haben, ist das nicht verwunderlich.

Eine Mehrheit der Schweizer glaubt, dass die Integration funktioniert. Das mag für die Gesellschaft gelten. Aber was empfinden wir, wenn anders geprägte Menschen unseren persönlichen Lebensbereich berühren? Wenn sie sogar in christlichen Gemeinden auftauchen?

 

Braucht es überhaupt kulturell gemischte Gemeinden?

Unser Glaube ist tief in unserer Identität verwurzelt, ähnlich tief wie unser Zugehörigkeits- und Heimatgefühl. Im Gottesdienst können wir idealerweise beides zusammen ausleben: beim Singen und Beten in der Zeit der Anbetung oder spätestens beim Kaffee nach dem Gottesdienst. Dass wir da lieber «unter uns» sind, ist naheliegend.

Aber ist das Gottes Sicht von Gemeinde? Die Gemeinde in Antiochia wurde erst richtig dynamisch, als sie begann, kulturübergreifend zu evangelisieren, bis sogar ihr Leitungsteam multikulturell war (Apg 11,19-26; 13,1). Jesus hat die Trennmauer zwischen den Völkern niedergerissen (Eph 2,11-22), und zwar so gründlich, dass wir alle sogar die Ewigkeit miteinander verbringen werden (Offb 5,9-10; 7,9; 21,24-26).

Wenn Gottes Plan auf das Miteinander der Völker hinausläuft, könnten wir nicht schon jetzt die Vorfreude auf diese Gemeinschaft geniessen? Oder, falls es mit dem Freuen nicht so spontan klappt, mindestens ein bisschen üben?

 

Wenn in der Gemeinde nicht mehr alle gleich sind

Wie kann eine Gemeinde damit umgehen, wenn Menschen einer ganz anderen Prägung auftauchen? Grundsätzlich bieten sich ihr drei unterschiedliche Modelle an:

 

Modell 1: Eine Kultur (die einheimische oder eine fremde) steht im Vordergrund. Deshalb kann man dieses Modell als monokulturell bezeichnen. Menschen anderer Herkunft sind willkommen, sofern sie mit der angestammten Funktionsweise zurechtkommen. Die Evangelisation richtet sich primär an Menschen der eigenen Kultur. Die verbreitetsten monokulturellen Gemeinden sind schweizerisch geprägt.

 

Modell 2: Die Gemeinde strebt eine möglichst starke Durchmischung von Menschen aus verschiedenen Kulturen an. In ihrer Funktionsweise stellt sie sich zwischen die Kulturen, sie ist in diesem Sinn interkulturell. Meist wird die gemeindeeigene Mischung gleichzeitig von der Kultur des Leiters wie auch von der Gastkultur geprägt. Kleingruppen sollten hier aber keine ausschliessliche kulturelle Prägung haben.

 

Modell 3: Einer kulturellen Vielfalt wird bewusst Raum geboten. In einer solchen multikulturellen Gemeinde gibt es kulturell und sprachlich unterschiedlich geprägte Gruppen, aber auch regelmässige gemeinsame Gottesdienst und eine gemeinsame Hauptleitung. Meist prägt die Gastkultur den Rahmen.

 

Wohin geht die Reise?

Keine Gemeinde funktioniert ganz nach einem dieser Modelle. Man kann sich die idealisierten Modelle als Ecken eines Dreieckes vorstellen. Jede Gemeinde nimmt ihrer Vision und Geschichte entsprechend eine Position irgendwo im Inneren des Dreiecks ein.

Wie kann sich eine Gemeinde weiterentwickeln? Der erste Schritt ist die Selbsterkenntnis: Wo stehen wir als Gemeinde? Wie gehen wir bisher mit kultureller Verschiedenheit um?

Als nächstes können wir uns fragen, in welche Richtung es weitergehen könnte. Haben wir vor allem Beziehungen zu einzelnen Personen aus unterschiedlichen Hintergründen? Dann ist es wohl an der Zeit, die Durchmischung aktiv zu fördern. Oder haben wir Kontakte zu Menschen aus einem bestimmten Kulturkreis? Dann müssten wir die Bildung einer fremdsprachigen Gruppe andenken.

Die multikulturelle Vielfalt mag uns manchmal unüberschaubar vorkommen. Aber wenn wir uns daran erinnern, dass wir die Ewigkeit mit Jesusjüngern aus allen Kulturen zusammen verbringen werden, dann kann uns das hier beschriebene Vorgehen ermutigen, nächste Schritte in diese Richtung zu gehen.

Autor: Johannes Müller
Foto: SEA
25.6.2018

Vertiefende Artikel

  • meinTDS (2018)
  • Orientierung:M (2017)

Dieser Artikel

  • im Magazin INSIST 2/18 S. 28 (Download des Hefts)
  • auf livenet.ch

Junge Flüchtlinge alleine unterwegs

Juni 20, 2018 by

Zum Flüchtlingssonntag und zum Weltflüchtlingssonntag hat SEA interkulturell den holländischen Sandkünstler Harm van Shaik beauftragt, einen Video Clip (4 min) zu gestalten, der die Herausforderungen und Lebensumstände von jungen Flüchtlingen, die alleine unterwegs sind beschreibt.

 

Wer würde schon seinen 16-jährigen Sohn alleine um die halbe Welt schicken? Gerade das passiert aber seit rund drei Jahren vermehrt. In Europa waren im Jahr 2016 über 63‘000 Jugendliche alleine unterwegs, welche entweder auf der Flucht von ihren Eltern getrennt wurden oder ganz ohne Eltern flüchteten. In den letzten drei Jahren kamen 5‘500 von ihnen in die Schweiz. Diese Jugendlichen brauchen unsere Hilfe, um sich in diesem, ihnen fremden Land und mit ihrer oft sehr bewegten Vergangenheit einzuleben und wieder Boden unter den Füssen zu finden.

 

Zum Video wurde auch ein Gruppendiskussionsleitfaden erstellt, der es Lehrerinnen, Jugendgruppenleitern oder auch sonstigen Kleingruppen erlaubt, darüber auszutauschen, zu reflektieren und herauszufinden, wie und wo sie hier aktiv werden könnten. Ein ausgezeichnetes Tool, um gerade auch Jugendliche in der Schweiz zu sensibilisieren für die Herausforderungen ihrer Peers die geflohen sind.

Das Video gibt es auch auf hochdeutsch mit englischen Untertiteln und in Holländisch.

 

Autor: S. Burckhardt
20.06.2018

Besser mit Migranten umgehen

Mai 18, 2018 by

Seit vielen Jahren beschäftigt sich «MEOS – Interkulturelle Dienste», ein Partner der Arbeitsgemeinschaft interkulturell, mit interkulturellen Fragen.

Die Sendung Zoom von Radio Life Channel stellte dem Leitungsteam der MEOS Fragen zur Geschichte der MEOS und über die aktuellen Herausforderungen. Im Interview, das am 18. April 2018 erstausgestrahlt wurde, kamen interkulturelle Kompetenzen zur Sprache. Niklaus Meier, Markus Frauchiger und Johannes Müller zeigten Ansatzpunkte, wie Gemeinden und Einzelpersonen besser mit Migranten umgehen können.

Die Sendung kann man bei Radio Life Channel nachhören:

www.lifechannel.ch/de/Glauben-entdecken/Leben-im-Alltag/Zoom/Besser-mit-Migranten-umgehen

www.meos.ch

Autor: J. Müller
Foto: MEOS
18.05.2018

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